[Interview] Anne-Marie Jungwirth

Im Rahmen der Autorenwoche zur Autorin von Superior – Das dunkle Licht der Gaben und Engelsstaub, durfte ich die liebe Anne-Marie interviewen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen des Beitrags.

Und hier kommt ihr zu ihrer Website!

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Anne-Marie Jungwirth

Medea: Hallo Anne-Marie. Meine erste Frage an dich ist erstmal ganz typisch: Wie kommst du auf deine Ideen? Sowohl zu Superior, als auch zu deinen anderen Büchern.

Anne-Marie Jungwirth: Meistens habe ich ein Bild zu den ersten Szenen im Kopf. Ganz oft passiert das, während ich an etwas anderes schreibe.
Superior ist so gesehen eher eine Ausnahme. Ich wollte ganz bewusst etwas mit einem genetischen Zuchtprogramm, Superkräften und einer Anti-Heldin schreiben. Die Gesichte um diese drei Elemente herum, musste ich dann erst noch entwickeln.

Ah okay. Und wie bist du auf genau diese Dinge gekommen? Also irgendwo musste ja die Idee trotzdem herkommen. Wolltest du irgendwie gesellschaftskritisch schreiben oder was war der Grund dafür?

Ich höre regelmäßig Wissenschaftspodcasts und manche Themen, wie z. B. Genomediting, lassen mich einfach nicht kalt. Es hat mich gereizt ein Buch zu schreiben, in dem dieser Zuchtgedanke mit all seinen unschönen Facetten aufgegriffen wird. Das Thema an sich ist natürlich nicht neu, deshalb muss man es interpretieren. Und deshalb wollte einfach ganz andere Charaktere habe. Figuren, die nicht eindeutig gut oder schlecht sind. Anti-Heldin eben.
Ganz bewusst etwas Gesellschaftskritisches zu schreiben, finde ich eher schwierig. Die meisten Geschichten bekommen beim Schreiben ihre Themen mit auf den Weg und das ist auch okay so. Aber ganz bewusst mit dem erhobenem Zeigefinger zuschreiben, wäre jetzt nicht meine Sache.

Ja, das verstehe ich. In gewissem Sinne ist dein Buch Superior ja auch ein bisschen von Fantasy angehaucht oder? Durch die Gaben bekommt es schon ein wenig diese Fantasy-Richtung. War das Absicht, dass auch davon ein paar Elemente eingebaut sind oder ist das erst im Laufe des Buches „passiert“?

Ich liebe Fantasy einfach und konnte dem Drang, auch hier ein paar Elemente einzubauen, nicht widerstehen.

Ich liebe Fantasy auch sehr, also finde ich das absolut verständlich :-).
Jetzt mal eine Frage, die von Emely kam: Wie lange hast du eigentlich an Superior geschrieben?

Das ist ganz schwer zu beantworten … Ich habe dieses Buch so oft umgeplant, begonnen zu schreiben und wieder verworfen, dass ich es gar nicht so genau sagen kann.
Das bloße Schreiben dauert etwa zwei Monate. Aber mit der ganzen Planung und Überarbeitung war es vermutlich ein Jahr.

Wow, das ist schon viel. Weißt du denn noch, wann dir die Idee dazu kam?

Das war im Sommer 2015. Aus der Zeit sind zumindest auch die ersten Dateien zu diesem Projekt auf meinem PC.

Das ist also schon 2 Jahre her. Krass. Und wie lange hast du zum Beispiel an Engelsstaub geschrieben? Erinnerst du dich noch da dran? Oder an anderen Büchern? Und kurze Nebenfrage: wie viele veröffentlichte Bücher hast du geschrieben?

Ich glaube, ich fange bei dieser Frage tatsächlich hinten an. Ich habe bisher nur Engelsstaub und Superior veröffentlicht. Und ich würde schon sagen, dass ich an beiden etwa ein Jahr gearbeitet habe. Und bei beiden hat sich die Idee schon eine ganze Weile vor dem Schreiben festgesetzt. Aber ich glaube, dass es durchaus auch schneller gehen kann. Ich habe gerade noch ein Manuskript auf meiner Festplatte, dass ich im letzten November mit nur minimaler Planung begonnen habe und innerhalb von 6 Wochen geschrieben habe. Die Überarbeitung wird natürlich auch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber bestimmt keine 10 Monate. Ich glaube, dass man mit der Zeit etwas effizienter wird. Ein halbes Jahr für ein Buch würde ich mittlerweile als realistisch machbar einstufen.

Also ist ein Jahr nicht zwangsläufig. Was hält dein Umfeld von deiner Tätigkeit als Autorin denn? Also zum Beispiel deine Familie oder deine Freunde?

Meine Familie würde sich vermutlich freuen, wenn ich ein etwas weniger zeitintensives Hobby hätte. Trotzdem unterstützen sie mich. Mein Mann unternimmt immer viel mit unserem Sohn und hält mir so den Rücken frei.
Ansonsten finde es die Leute interssant, dass man schreibt. So wirklich eine Vorstellung, was das bedeutet und was noch alles daran hängt, haben aber viele nicht. Wenn ich nicht ausrücklich gefragt werden, rede ich deshalb auch nur selten darüber.

Dann frage ich dich hiermit ausdrücklich danach. Würdest du uns bitte aufklären? 😉

Haha … okay. Es ist nur manchmal lustig. Die Leute denken immer, dass Schreiben hauptsächlich mit Inspiration zu tun hat. Aber es ist ja irgendwie illusorisch, dass man nur schreibt, wenn man gerade Muße dazu hat. Da würde ein Buch ja nie fertig werden. Es ist eigentlich wie mit jedem anderen Job: Man muss sich einfach hinsetzen und ihn tun. Und das eigentliche Schreiben ist ja oft auch nur ein Bruchteil der Arbeit. Planung, Überarbeitung, Lektorat und auch das Marketing nehmen oft viel mehr Zeit in Anspruch.
Ich hoffe, ich habe jetzt keine romantischen Vorstellungen vom Schreiben zerstört. Wenn ja, tut es mir Leid. Und nur weil es am Ende auch Arbeit ist, heißt das ja nicht, dass man es nicht trotzdem liebt.

Oh nein, ich werde sterben… Ich dachte immer, dass es so richtig einfach wäre, Autorin zu sein (Achtung, Ironie) Naja, schade. Dann muss ich mir wohl was anderes suchen😉) Okay, Spaß beiseite.
Mit welcher der Charaktere aus Superior kannst du dich am meisten identifizieren? Und warum? Was habt ihr gemeinsam?

Eigentlich trägt jeder Charakter ein Stück von mir in sich. Mit Amelia habe ich vermutlich gemeinsam, dass mir herzlich egal ist, was die Leute von mir denken. Mit Catherine teile mein Pflichtbewusstsein. Mit Sky, dass man sich manchmal wünscht, sich weniger in andere hineinversetzen zu können. Mit Nathan, die Fähigkeit, völlig in einer Sache aufzugehen. Bei Erika fällt mir jetzt spontan nichts ein, aber ich bin mir sicher, dass es auch hier etwas gibt.

Oh, haha. Dann sind wir beide uns wohl ziemlich ähnlich😅 das trifft alles auch auf mich zu, wie ich gerade festgestellt habe. Besonders das erste und zweite.
Nächste Frage: Warum spielt Superior eigentlich in Amerika und nicht in Deutschland, wo du doch Deutsche bist…?

Das ist schon komisch. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass man schon etwas geprägt davon ist, weil es extrem viele amerikanische Autoren gibt. Und ehrlich gesagt, finde ich es auch immer schön, so gemeinsam mit meinen Charakteren auf Reisen zu gehen. Ich könnte mir stundenlang Bilder in Google Maps ansehen.

Oh ja, reisen ist schon was tolles😍 da springe ich jetzt einfach mal drüber zu einer Frage, die eigentlich erst zum Ende geplant war😉 sie ist ein bisschen persönlicher als die anderen. Wo willst du schon immer mal hinreisen? Und was reizt dich an diesem Ort so?

Also mich würde ja so eine Asien-Rundreise total reizen. Einfach weil es kulturell so vielfältig, aber eben ganz anders ist als Europa. Und weil man dann vielleicht auch wieder die vielen Annehmlichkeiten, mit denen wir leben, mehr zu schätzen weiß.

Mein Cousin hat sowas mal gemacht. Er war absolut begeistert!
Und nochmal eine sehr persönliche Frage: Was ist dein größter Traum?

Meine Bücher in einer Buchhandlung zu sehen.

Ist dieser Traum schon in Erfüllung gegangen? Weil zum Beispiel Drachenmond-Bücher sieht man ja eher selten dort…

Das stimmt leider. Deshalb warte ich auch immer noch darauf. Aber wer weiß …

Ich habe mal von Emely gehört (ich glaube zumindest, es war Emely😅), dass das dadurch gefördert wird, wenn man die Bücher bei der Buchhandlung bestellt… ich versuche jedenfalls fleißig zu helfen und bestelle sie bei der Buchhandlung um sie dann an der FBM signieren zu lassen😉
Wie bist du überhaupt zum Drachenmond Verlag dazu gestoßen? Weil Engelsstaub ist im Carlsen – Impress Verlag erschienen oder?

Das ist super! Ja, ich denke schon, dass das hilft um die Buchhandlungen auf den Verlag aufmerksam zu machen.
Ich habe den Drachenmond Verlag ja schon länger von außen bewundert und dort auch schon einige Autorinnen gekannt. Getraut, etwas einzureichen, habe ich mich aber lange nicht. Es war meine liebe Freundin, Kerstin Ruhkieck, die einfach nicht locker gelassen hat, bis ich es schließlich doch getan habe.

Da sind wir ihr alle echt dankbar. Was wäre denn sonst mit Superior passiert…
Planst du deine Bücher durch oder schreibst du einfach drauf los? Oder mal so mal so?

Mittlerweile mache ich so einen Mix aus beidem. Ich plane die groben Eckepunkte, damit ich weiß, wo die Geschichte hinführen soll. Der Rest ergibt sich beim Schreiben.

Und hast du das manchmal, dass die Geschichte einfach macht, was sie will? Also, dass was anderes rauskommt, als du eigentlich geplant hattest?

Eigentlich nicht. Natürlich passieren unvorhergehene Dinge, aber die Grundstruktur der Geschichte bleibt eigentlich.

Ah okay. Weil bei der Drachennacht in Leipzig haben manche Autor*innen berichtet, dass sich ihre Geschichten manchmal verselbstständigen…😂
Wo nimmst du die Namen deiner Buchcharaktere her? Sind sie an reale Personen angelehnt? Oder suchst du besonders ausgefallene? Oder hast du da kein besonderes Schema?

Ich denke mir die Namen grundsätzlich aus. Bei den Nebenfiguren geht das eher schnell, bei den Hauptfiguren kann das schon etwas dauern. Ich habe ja meistens ein Bild von den Protagonisten im Kopf, dass durch den Namen noch mal unterstrichen werden soll. Dementsprechend suche ich dann nach Namen, die – je nach Figur – vornehmer, gradliniger, wilder … oder was auch immer klingen. Da suche ich auch so lange, bis ich 100%ig zufrieden bin. Ohne einen richtigen Namen kann ich einfach nicht mit dem Schreiben beginnen. Und ich könnte mir auch nie vorstellen, dass ich einen Namen durch Copy und Paste einfach ersetze. Die Datenbanken für Babynamen im Internet sind für mich da immer eine super Quelle.

Oh ja, haha. Die habe ich auch schon öfter angezapft, wenn es um Namensideen ging😂 aber jetzt, wo du es sagst, fällt mir auch auf, dass die Namen in deinem Buch wirklich alle die Personen unterstreichen. Ist mir vorher nicht aufgefallen…
Ich habe noch ein paar Fragen zum Schreiben. Erst mal ganz normal: seit wann schreibst du? Also hast du als Kind oder so schon geschrieben?

Ich habe tatsächlich schon als Kind geschrieben. Aber natürlich noch ziemlich konzeptlos. Der Wunsch war schon immer da, aber er ist mir einfach immer sehr unrealistisch erschienen.

Brauchst du zum Schreiben irgendwelche Vorraussetzungen? Wie zum Beispiel Schokolade oder Kaffee oder Musik?

Das klingt alles super! Aber ich versuche dabei eigentlich, so wenig Ablenkung wie möglich zu haben. Deshalb schreibe ich am liebsten mit Regenklängen oder ähnlichen Geräuschen, ohne Handy in der Nähe und immer ohne Rechtschreibprüfung an.

Das klingt auch entspannt 🙂 und du sagtest ja auch, dass das Schreiben wie ein normaler Job ist. Und da hat man ja normalerweise auch kein Handy oder Musik oder so.
Und was ist dein Lieblings-Schreibplatz?

Da wirst du lachen, aber ich schreibe ganz oft bei McDonald’s. Einen Starbucks oder so gibt es bei mir nicht und manchmal bin ich zu Hause einfach zu abgelenkt. Da ist McDonald’s mit Kopfhörern auf perfekt.

Ja, das ist wirklich lustig😂. Bestellst du denn da dann auch jedes Mal was?

Natürlich – sonst würde ich mir echt doof vorkommen. Aber meistens trinke ich nur einen Kaffee oder so.

Also hast du beim Schreiben doch meistens einen Kaffee dabei😉
Ich habe jetzt noch eine (bzw. zwei) letzte Fragen: Was ist dein Lieblingsbuch und welche*n Autor*in kannst du ganz besonders empfehlen, also wer ist dein Lieblingsautor?

So gesehen – ja.
Puh … da kann ich mich immer nur schwer festlegen. Aber ich sage jetzt einfach mal Suzanne Collins, weil sie mit Hunger Games das gesamte Genre auf eine neue Ebene gehoben hat.

Und dein Lieblingsbuch ist demnach Die Tribute von Panem? Oder nicht?…

Es steht auf jeden Fall sehr weit oben. Natürlich haben sich seitdem auch andere tolle Bücher in mein Herz geschlichen, aber Tribute von Panem hat zweifllos sehr dauerhaften Eindruck hinterlassen.

Das hat es. So viel steht fest. Und nicht nur bei dir (nein, nur bei der halben Menschheit😂), es ist aber auch wirklich toll.
Willst du noch irgendwas loswerden an die Leser meines Blogs und dieser Autorenwoche?

Einfach nur Danke, fürs Dabeisein.

Wir danken dir auch. Und vielen Dank für die Zeit, die du dir für dieses Interview genommen hast. Immerhin waren das mehr als zwei Stunden😅

Sehr gerne. Und Danke zurück!


So, das war’s. Überhaupt nicht lang, ne? Wenn ihr noch Fragen an die Autorin habt, dann stellt sie einfach in den Kommentaren. Ich leite sie an sie weiter (wenn sie sie nicht schon von selbst sieht und beantwortet 😀 ) Oder ihr könnt sonst auch auf Facebook schreiben. Da gibt es eine Veranstaltung „Autorenwoche mit Anne-Marie Jungwirth“, wo ihr mal vorbei schauen könnt.

Kennt ihr eins ihrer Bücher schon?

Frage 16 der zweiten Drachenexpedition: Wie heißt die Autorin von Ein Hauch von Schicksal wirklich? Der Name, unter dem sie das Buch veröffentlicht hat ist nur ein Pseudonym.

Und der nächste Punkt der Expedition ist bei Emely. Nehmt die Zahl 13 als Anhaltspunkt.

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2 Kommentare zu „[Interview] Anne-Marie Jungwirth

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